Tandemsprung in Krems
Freier Fall und Atem
Am Samstag bin ich zum ersten Mal Tandem gesprungen. Mein erster Satz nach dem freien Fall war: ''Es war erfrischend''. Tatsächlich erinnerte mich dieses Gefühl an die Kältekammer – diese intensive, körperliche Präsenz und Frische auf 4.000 Meter Höhe. Und gleichzeitig an all die virtuellen Flüge und Wingsuit-Landungen, die ich auf meinem Icaros-Flugsimulator erlebt habe. Nur diesmal war ich wirklich in der Luft.
Und dann war da der Atem.
Plötzlich war die Luft keine Selbstverständlichkeit mehr. Sie war dicht, kraftvoll, körperlich. Der Luftstrom war gewaltig gegen meinen Körper und meinen Atemapparat. Ich glaube, beim Absprung habe ich zunächst unbewusst die Luft angehalten. Erst nach vielleicht zehn Sekunden merkte ich, dass ich nicht richtig atmen konnte.
Atmen wurde zu etwas, das meine ganze Aufmerksamkeit bekam.
Und trotzdem hatte ich keine Angst. Ich fühlte mich sicher. Getragen. Verbunden mit meinem Tandemmaster.
Und mitten in diesem Erlebnis hatte ich einen ganz einfachen Gedanken:
Das Leben ist gut zu mir. Und ich bin gut zu meinem Leben.
So sehr, dass die Endlichkeit für einen Moment nichts Bedrohliches hatte.
Erst später musste ich an therapeutische Beziehung denken.
Daran, was es bedeutet, einen Menschen dorthin zu begleiten, wo etwas intensiv, ungewohnt oder überwältigend wird.
Nicht das Erleben abzunehmen.
Sondern da zu sein.
Präsent. Verlässlich.
Bis der eigene Atem wieder seinen Rhythmus findet.
Vielleicht ist das Atem:
Einatmen.
Ausatmen.
Da sein.
Danke an den Jump Club Krems und ganz besonders an Helmut, der mich sicher durch dieses besondere Erlebnis begleitet hat. Und natürlich danke an meinen Mann, der mir dieses Erlebnis letzten Herbst zum Geburtstag geschenkt hat.
Manche Geschenke brauchen ein bisschen Zeit, bis man sie wirklich auspackt.







